Historie
Der Nienburger Wochenmarkt wurde zum ersten Mal im Jahre 1821 aufgrund von Klagen der Bürger an den Magistrat eingeführt. Der Grund hierfür war folgender: Die Bevölkerung bestand hauptsächlich aus Ackerbürgern, die von Ackerbau und Viehzucht lebten. Diese beklagten sich beim Magistrat, dass der Absatz von Korn und sonstigen Produkten immer schlechter würde und dass die hiesige Gegend schlimmer dran sei als andere, da kein ordentlicher Korn- oder Wochenmarkt in der Nähe sei. Der Magistrat der Stadt ließ die Bevölkerung aus diesem Grund durch seinen Aufruf am 30.11.1821 wissen, dass er nicht länger gewillt sei zuzusehen, „wie die Vorräte des Nienburger Landmannes an auswärtige Aufkäufer und Spekulanten gingen, welche die Preis nach Willkür bestimmten.“ In der 1. Zeitungsausgabe von Nienburgs 1. Zeitung überhaupt war darum am 09.12.1821 zu lesen: „Zum Abhelfen dieser immer fühlbar werdenden Bedürfnisse wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dass von jetzt an in der Stadt Nienburg auf dem Kirchplatz an Mittwochen und Sonnabenden jeder Woche ein Wochen- und Kornmarkt abgehalten wird, wo es dem Landmann und den Besitzern von Kornfrüchten nicht an Gelegenheit zum Absatz mangeln wird.“
Die erste bedeutende Markterweiterung fand im Jahre 1854, also schon relativ früh statt. „Namentlich im Handel mit allen Erzeugnissen der Landwirtschaft, für Jagd und Fischerei, ferner mit geräuchertem Fleische, Speck, Wurst endlich auch mit Flachs, Heide sowie Leinen“ hieß es in der Anordnung aus dem Rathaus.
Während der beiden Weltkriege gab es keinen Wochenmarkt in der Kreisstadt Nienburg, dafür jedoch blühte der Schwarzmarkt umso mehr. Es hat jedes Mal lange gedauert, bis es nach Ende der Kriege wieder zum Markttreiben in den Mauern der Stadt kam. So wurde zum Beispiel erst 3 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1948 nach der Aufhebung der Zwangswirtschaft wieder ein Wochenmarkt eingerichtet.
Marktstände vor dem Rathaus 1936
Im Laufe der folgenden Jahre traten zunehmend Verkehrsprobleme auf. Nienburg war wesentlich größer geworden, immer mehr Autos drängten in die Innenstadt. Um diesen Problemen zu entgehen wurde der Markt zunächst auf den Schlossplatz und dann in die obere Lange Straße verlegt. Diese Orte stellten sich jedoch als unzweckmäßig heraus, sodass man auf den Neumarkt wechselte.
Als der Neumarkt jedoch zu einem zeitgemäßen Parkplatz umgebaut wurde, fand der Wochenmarkt für einige Zeit wieder dort Platz, wo auch seine Ursprünge waren, nämlich um die Kirche St. Martin, umrahmt von alten Fachwerkhäusern. Als im Februar des Jahres 1989 die Sanierungsarbeiten am historischen Rathaus begannen, fand der Wochenmarkt zu seinem heutigen Platz in der Langen Straße – ein Standort, der von sehr vielen Bürgerinnen und Bürgern als besonders attraktiv angesehen wird.
Im November 2008 wurde der Wochenmarkt Nienburg von der gemeinnützigen Stiftung "Lebendige Stadt" zum schönsten Wochenmarkt Europas gekürt. Die Jury lobte dabei, dass es in Nienburg vorbildlich gelungen sei, die wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Ansätze des Wochenmarktes zu einem offenen, dynamischen und akzeptierten Konzept weiterzuentwickeln. Bei diesem Prozess seien alle Akteure beteiligt: die Stadtverwaltung, die Händler und die Bürger.
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