Erneute Spitzenleistung im Giebelsaal
Höchste Gestaltungskraft offenbarte sich am Sonntagabend (16.01.2011) erneut im Giebelsaal.
Miri Yampolsky (Klavier) und Guy Braunstein (Violine) gastierten in der Reihe der „Meisterkonzerte“.
Sponsor war wieder die Neuhoff-Fricke -Stiftung Nienburg.
Den Beginn machte die „Sonate für Violine und Klavier g-Moll" (op. L 140) von Claude Debussy.
1917 als letztes Werk des Komponisten entstanden bietet sie eine eigenartige Mischung.
Die erregenden Errungenschaften des damals modernen musikalischen Impressionismus kombinieren sich mit Anklängen an die Barockmusik. Und der kosmopolitische Zug der musikalischen Moderne verknüpft sich im geplanten Titel mit dem etwas befremdlichen Betonen des besonders „Französischen".
Der erste Satz, „Allegro vivo", bringt zwei Themen, bei denen im Klavier hingetupfte Stimmungen oder wuchtige Akkorde erklingen, die von der Violine mit cantilenen Läufen begleitet werden.
Der zweite Satz, „Intermède: Fanntasque et léger", beginnt überraschenderweise mit einer Art Violin-Kadenz, um dann witzige kleine Motive einzubauen.
Der dritte Satz, „Finale: Très animé", verbindet grüblerische Klänge mit wirbelnden Rhythmen.
Als zweites Werk erklang die „Sonate für Klavier und Violine G-Dur" (op. 96) von Ludwig van Beethoven.
Der erste Satz, „Allegro moderato", bringt ein Hauptthema, in dem die beiden Instrumente eine ruhige Zwiesprache halten, und ein heiteres Lied als Nebenthema.
Der zweite Satz, „Adagio espressivo", verarbeitet einen feierlichen Choral.
Der dritte Satz, „Scherzo. Allegro" verbindet eine hüpfende Tanzweise mit einer Cantilene. Der vierte Satz, „Poco Allegretto", verarbeitet drei Themen, eine Cantilene, eine Tanzform und wuchtige Akkordschläge.
In dieser letzten Violinsonate, die Beethoven schrieb, verbinden sich auf eigentümliche Weise klar durchdachte Strukturen mit ungewöhnlich heiteren Wendungen.
Nach der Pause gab es die „Sonate für Violine und Klavier d-Moll" (op. 108) von Johannes Brahms.
Das leidenschaftlich aufgewühlte Werk beginnt mit einem „Allegro", in dem zwei Themen verarbeitet werden. Das folgende „Adagio" führt ein trostreiches Lied durch zehn Variationen.
Der dritte Satz, „Un poco presto e con sentimento" bringt über glitzernden und hämmernden Klavierläufen eine besinnliche Melodie in der Violinstimme.
Der Schlusssatz, „Poco allegretto" bestach durch seine farbige Harmonik und seine mitreißende Rhythmik.
Als Zugabe erklang das launige „Liebesleid, Liebesfreud" von Fritz Kreisler.
Die beiden Solisten sind perfekt aufeinander eingespielt.
Miri Yampolsky (Klavier) ist Professorin für Kammermusik an der Cornell University in Ithaca/New York. Ihr Kennzeichen ist die beeindruckende Bandbreite des Ausdrucks von zart hingetupften Impressionen bis zu wuchtigen Akkordschlägen.
Guy Braunstein (Violine) ist der 1. Konzertmeister der „Berliner Philharmoniker". Sein Klangideal ist es, jeden einzelnen Geigenton dynamisch und plastisch durchzugestalten.
Das Publikum im vollbesetzten Giebelsaal folgte gebannt.
Der Beifall war überaus herzlich, der Schlussapplaus wollte nicht enden.
Ein weiterer Gipfelpunkt im hiesigen Musikleben.
Wolfgang Motzkau-Valeton
Quelle: Die Harke